von Bianka Boock

Warum der Autor die Qualität des Lektorats bestimmt

von Bianka Boock

Zu wenig Zeit für zu viele Texte oder ständig dieselben Themen – angesichts solcher Situationen verzichten viele Verfasser darauf, an ihren Beiträgen zu feilen, bis diese eine veröffentlichungswürdige Qualität erreicht haben. Stattdessen schicken sie ihr Werk an einen Lektor mit dem Vermerk, es „kurz zu prüfen“, und verlassen sich auf ihn – oder denjenigen, der den Artikel freigibt. Doch dies geht zulasten des Textes, der damit weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Um zu verstehen, warum das so ist, hilft ein Blick auf die Aufgaben des Lektorats.

Grundsätzlich wird zwischen Lektorat und Korrektorat unterschieden. Liest ein Experte einen Text Korrektur, achtet er auf die richtige Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Er vereinheitlicht Schreibweisen, prüft die Silbentrennung und Typografie. Beim Lektorieren begutachtet und verbessert er darüber hinaus den Ausdruck: Enthält der Text zu viele Wiederholungen? Entspricht er dem gewünschten Stil oder gibt es unpassende Formulierungen? Ein weiterer Punkt ist die Verständlichkeit. Dazu zählt, nicht nur zu prüfen, ob die Verständlichkeit gegeben ist, sondern auch die Frage, ob die gewählte Struktur und Gliederung dafür geeignet sind und ob die Betrachtung vollständig oder zu oberflächlich ist. Sogar die inhaltliche Richtigkeit kann ein Bestandteil sein. Alles in allem ist das Aufgabengebiet eines Lektors umfassend, und zwar derart, dass ein einmaliges „Lesen“ des Textes nicht genügt.

Zu viele Korrekturen sind unübersichtlich

Dies gilt umso mehr, je mehr Fehler ein Text enthält und je größer der Optimierungsbedarf ist, denn desto mehr Überarbeitungen sind erforderlich. Inmitten dieser Überarbeitungen entsteht schnell ein Wirrwarr, zum Beispiel im Änderungsmodus. Der Text ist nicht mehr flüssig lesbar – weder im zweiten oder dritten Korrekturdurchlauf, noch für den Autor, der die Änderungen annehmen oder verwerfen kann. Häufig übernimmt er Änderungen nicht korrekt, sodass er zusätzliche Fehler in den Text einbaut. Dies betrifft vor allem fehlende oder doppelte Leerzeichen und fehlende Wörter.

Fazit: Je schlüssiger und besser ein Ursprungstext formuliert ist, desto mehr Chancen hat der Lektor, sämtliche Fehler zu entdecken. Zudem lassen sich wenige Änderungen einfacher übernehmen als eine Masse von Überarbeitungen. Somit bestimmt der Autor im Wesentlichen die Qualität des Lektorats – und des Beitrages, der veröffentlicht wird. Seine Verantwortung für den Text lässt sich nicht delegieren.

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