von Bianka Boock

Lassen Sie die Sprache arbeiten

von Nicole Gauger

Wenn Sie nach den Sommerferien wieder zurück an die Arbeit gehen, dann nehmen Sie unbedingt Ihre Sprache mit! Sie ist ein wichtiges Instrument, mit dem Sie Ihre Botschaften transportieren und zu mächtig, um es, im übertragenen Sinn, unbeaufsichtigt im Urlaub zurückzulassen. Dies betrifft die gesamte Unternehmenskommunikation. Eine passende Sprache schafft Vertrauen und beeinflusst darüber die Kaufentscheidung. Aber was ist eine „passende“ Sprache?

Der Kommunikationsstratege Dr. Karsten Bredemeier hat den Begriff „faktizierende Sprache“ entwickelt: eine Wortzusammenstellung aus „Fakten“ und „Faszination“. Diese sollten Sie verwenden. Was damit gemeint ist, verdeutlicht das folgende Beispiel, das Sie sicherlich schon einmal in dieser Art gelesen haben:

„Man könnte wahrscheinlich unser Produkt auf Ihre Anforderungen ausrichten. Dann kann unsere Lösung Ihre Prozesse optimieren. Wir glauben, dass das funktioniert und sind dabei, diese Anforderung umzusetzen.“

Grüße vom Phrasenschwein

Bei solchen Sätzen verfällt jedes Phrasenschwein in Ekstase. Sie sind unverbindlich und lassen viel Spielraum für Interpretationen. Das beginnt bereits bei den ersten drei Wörtern. „Man“ beschreibt nicht, wer gemeint ist und „könnte“ vertritt den Konjunktiv. Dieser Modus stellt eine Möglichkeit dar. In Kombination mit „wahrscheinlich“ wird „könnte“ so unverbindlich, dass – wer auch immer – eher nicht mehr kann. „Dann kann unsere Lösung Ihre Prozesse optimieren“ trifft keine Aussage darüber, welche Lösung was wie inwieweit verbessern zu verbessern vermag und „glauben“ bedeutet nicht wissen. „… sind dabei“ lässt die Frage offen, wann die Arbeiten ein Ergebnis bringen. Die Folge: Das Gesagte oder Geschriebene wirkt nicht vertrauensvoll.

Besser wäre eine faktizierende Formulierung wie: „Die Kollegen in unserer Entwicklungsabteilung werden das Produkt xy auf Ihre Anforderungen ausrichten, sodass sich Ihre Rechnungseingangsbearbeitung um 20 % beschleunigt. Sie erhalten in zwei Wochen unseren Lösungsvorschlag. Wir sind davon überzeugt, dass das funktioniert.“ Hier hat das Gehirn keine Möglichkeiten der Interpretation, denn die Sätze kommunizieren konkrete Botschaften mit dem Potenzial zu überzeugen.

„Tone of Voice“ als Richtlinie

Worte haben enorme Kraft, die zwangsläufig Emotionen hervorrufen. Damit nehmen sie unmittelbaren Einfluss auf die Markenwahrnehmung. Dessen sind sich einige Unternehmen bewusst und haben einen „Tone of Voice“ entwickelt. Dieser kommuniziert über die Sprache Vorstellungen und Visionen eines Unternehmens. Dabei wird die Tonalität vor allem von Wortwahl, Anrede und Grammatik beeinflusst.

Wollen Sie zum Beispiel ein partnerschaftliches Image aufbauen, dann verwenden Sie „Wir“ statt „Firma“ und „Kunde“! Wörter wie „gemeinsam“ und „zusammen“ verstärken die Botschaft. Möchten Sie modern wirken, dann verzichten Sie auf altbackene Wörter wie „vermögen“, „wohlfeil“, „mittels“ oder „inklusive“ und bilden den Genitiv mit „s“ statt „es“! Ist es Ihr Anliegen, inspirierend zu wirken, dann sind Sätze im Aktiv und Imperativ, Superlative und der Gebrauch emotional besetzter Begriffe wie „Lust“ und „Motivation“ zu empfehlen. Wollen Sie verbindlich auftreten, dann vermeiden sie den Konjunktiv und „Weichmacher“ wie „möglichst“ oder „ungefähr“! Für eine sachliche Sprache sollten Modewörter und Superlative nicht zu Ihrem aktiven Vokabular gehören und für eine agile Sprache können Sie Tempo über einfache und kurze Sätze sowie Wörter vermitteln.

Es ist also höchste Zeit, dass Sie darüber nachdenken, wie Sie wirken – und kommunizieren – wollen. Nutzen Sie den Schwung aus dem Urlaub und schaffen Sie Voraussetzungen, um mit Ihrer Sprache zu überzeugen! Wenn Sie Fragen haben, unterstützen wir Sie gern.

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